Kritische, internetaffine Jugendliche. Shell-Jugendstudie 2015

Freunde treffen und online sein.

 

 

Foto: Garry Knight, Texting in the RainCC-BY 2.0
Die Shell-Jugendstudie erhebt die Einstellungen der Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren zu Themen, wie Medien, Politik und Familie. Für uns ist besonders spannend, welche Einstellungen Jugendlichen gegenüber digitalen Medien haben. Interessant ist, dass obwohl Jugendliche großen Internetkonzernen kritisch gegenüberstehen, sie immer mehr Zeit online verbringen. Waren es 2010 nur 12,9 Stunden in der Woche sind es 2015 schon 18,4 Stunden pro Woche.

Jugendliche sind also mehr online. Was heißt das genau? Im Jahr 2002 gaben nur 26 Prozent der Jugendlichen an, das Surfen im Internet ihre Freizeitbeschäftigung ist. Im Jahr 2015 waren es nun 56 Prozent. Allerdings treffen sich Jugendliche immer noch lieber mit Freunden oder hören Musik. Im Internet surfen ist nur der dritte Platz der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen.
Doch was machen Jugendliche im Netz? Um besser zu verstehen, welche Typen von Internetnutzern es gibt, haben die Forscher die Antworten der Jugendlichen in Typen kategorisiert. Fünf Typen haben die Wissenschaftler entdeckt: Info-Nutzer, Medienkonsumenten, Digitale Bewohner, Gelegenheitsnutzer und Selbstdarsteller.

Info-Nutzer (25 %) schlagen vorrangig im Internet Informationen nach. In der Gruppe sind hauptsächlich Mädchen und fast die Hälfte ist über 20 Jahre alt. Medienkonsumenten (24 %) spielen gerne online und laden Filme und Musik herunter. Viele sind Schüler und zwischen 12 und 17 Jahre alt. Digitale Bewohner (20 %) sind hauptsächlich Jungen und nutzen das Internet sehr vielseitig. Sie surfen gerne zur Zerstreuung, aber auch zur Informationssuche. Die Gelegenheitsnutzer (19 %) sind meist zwischen 12 und 14 Jahre alt und nutzen das Web kaum. In der Gruppe der Selbstdarsteller (12 %) sind größtenteils ältere Jugendliche, die schon arbeiten. Sie sind überwiegend im Social Web unterwegs, schreiben Blogs oder Produktbewertungen oder laden Fotos und Videos hoch.

Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass Jugendliche Konzernen, wie Facebook und Google, kritisch gegenüberstehen. Über 80 Prozent der Jugendlichen stimmen zu, dass große Internetkonzerne mit den Nutzerdaten viel Geld verdienen wollen. Fast drei Viertel der Jugendlichen bekräftigen auch, dass große Internetkonzerne das Netz beherrschen wollen. Die Wissenschaftler wollten ebenso wissen, wie sehr sich Jugendliche Sorgen um ihre Daten machen. Ein Drittel ist besorgt um ihre Daten, wohingegen ein anderes Drittel unentschlossen ist. Ein Viertel der Jugendlichen machen sich keine Sorgen über ihre Nutzerdaten.

Die Ergebnisse der Jugendstudie können uns zum Nachdenken über unsere eigene Mediennutzung anregen. Sind wir besorgt um unsere Daten? Finden wir uns wieder in den Typen oder wie verhalten wir uns? Wie viel Freizeit verwende wir, um im Internet zu surfen – mehr oder weniger als 18,4 Stunden in der Woche?

 


27. Oktober 2015, 12:40      Florian Boegner      Studie

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