„Generation Head Down“ – Mein Leben in Whatsapp, Facebook & Co

Gutenberg-Gymnasium

Gutenbergstraße 2-6, 50126 Bergheim

25. November 2014, 17:00

Kategorien: Digitale Medien     Pädagogik

Thesen

1

Im Wesentlichen lauern Gefahren im Internet auf zwei Ebenen: Der persönlichen Ebene, auf der andere Menschen aus dem Internet Informationen über dich bekommen, und der Ebene der Datenverarbeitung, auf der Algorithmen deine Daten verarbeiten.

2

Die Arbeit der Polizei hat sich durch die Nutzung von Handydaten sehr vereinfacht. Sie verraten, wann der Handybesitzer wo war. Indem sich das Handy in Funkzellen einwählt, speichert es Informationen über den Standort, auch wenn die GPS-Funktion deaktiviert ist.

3

Das Alter entscheidet nicht, ob jemand reif für die Internetnutzung ist, sondern wie reflektiert man damit umgeht. Informieren können sich Jugendliche und Eltern zum Beispiel auf den Webportalen Internet ABC und Klicksafe.de.

4

Obwohl Facebook so unsicher ist, wird es genutzt. Die Hauptgründe sind Spaß, Zusammengehörigkeitsgefühl, Selbstdarstellung und das Teilen von Informationen.

5

Vor allem bei kleinen Kindern ist es wichtig, Medienkompetenz durch Reflexion zu fördern und nicht durch voreilige Anwendung von digitalen Medien.

Text: Jörg Weiss

„Was für Probleme gibt es denn im Internet?“ 

fragen die beiden Moderatorinnen beim ersten Junior Science Cafés in Bergheim. Da weiß Herr Disterhöft erst einmal gar nicht, wo er anfangen soll. Andreas Disterhöft ist Doktorand am Lehrstuhl für Technik sozialer Netzwerke der Heinrich Heine Universität Düsseldorf. Er erklärt, dass das Internet voller undurchsichtigen AGBs und besorgniserregenden Sicherheitslücken ist. Jede App und jede Online-Community hat so seine Tücken und Hintertürchen.

Auch Prof. Dr. Isabel Zorn von der FH Köln sieht viele Probleme. Sie erklärt, dass es im Wesentlichen zwei Ebenen gibt, auf denen Gefahren im Internet lauern: Die  persönliche Ebene und die Ebene der Datenverarbeitung. Auf der persönlichen Ebene geht es um Missbrauch personenbezogener Daten durch andere Menschen. Als Beispiel nennt Zorn den Pädophilen, der über das Internet erfährt, wie alt du bist und wo du dich gerade aufhältst.

Auf der zweiten Ebene geht es um die Datenverarbeitung mittels Algorithmen. So können Unternehmen sehr leicht Vorhersagen über Kaufverhalten und Vorlieben von Internetnutzern treffen. Zorn spitzt das Problem weiter zu: „Ein Algorithmus könnte auch errechnen, ob jemand schwul, lesbisch oder heterosexuell ist.” Das gehe sehr einfach mit Hilfe von Daten aus Online-Communities wie Facebook, die Schlussfolgerungen wie diese träfen: „Sind all deine Freunde auf Facebook schwul, dann bist du es wahrscheinlich auch!“ Möglicherweise wollten wir aber selbst entscheiden, wem wir was über unsere Sexualität mitteilen.

„Können Sie auch hacken, Herr Disterhöft?“

„Und wie schlau muss man sein, um Hacker zu werden? Ist es leicht Facebook zu hacken?“ Da muss Herr Disterhöft schmunzeln, denn ein Hacker ist er nicht. Damit beschäftigen sich andere Wissenschaftler oder Sicherheitsexperten. Aber wenn man die Hintertürchen kennt und sie zu nutzen weiß, dann kann man alles hacken, sagt er dann.

„Gibt es überhaupt noch Privatsphäre?“

wollen die Schülerinnen und Schüler wissen. Das verneint Zorn bestimmt: „Wir sind online ab Tag eins.“ So seien viele Eltern über die Geburt ihres Kindes so glücklich, dass sie bereits Babyfotos im Internet teilen. Mit der Privatsphäre sehe es also düster aus. Aber nicht nur, weil wir freiwillig viel über uns preisgäben.

Die Geheimdienste dieser Welt hätten anschaulich gezeigt wie leicht das Spionieren und Stöbern in unserem Leben ist, wenn sogar das vermeintlich sichere Handy von Kanzlerin Merkel abgehört wird. Die Arbeit von Geheimdiensten und Polizei hat sich sehr vereinfacht, so Zorn. „Polizeiverhöre wie aus Filmen, die gibt es so gar nicht mehr. Da heißt es nur noch, ‘Geben Sie mir mal Ihr Handy her!’, und schon weiß die Polizei wann und wo der Handybesitzer war.” Indem sich das Handy in Funkzellen einwählt, speichert es Informationen über den Aufenthalt des Handybesitzers, also auch wenn die GPS-Funktion deaktiviert ist.

„Was tun? Abschalten und nur noch Briefe schreiben?“

fragt eine besorgte Mutter aus dem Publikum. Nein, das sei nicht praktikabel, so Zorn. „Wir brauchen diese Technologien. Die meisten von uns könnten nicht einmal einen Tag auf ihr Handy verzichten.“ Zorn empfiehlt: Sich schlau machen und „die guten Dienste“ nutzen. Hat sich ein Kind mit datenschutzrechtlichen Fragen beschäftigt und ist sensibilisiert für die Gefahren, dann kann es auch Dienste wie Facebook und Whatsapp nutzen. Nicht das Alter entscheidet, ob jemand, egal ob Kind oder Erwachsener, reif für die Internetnutzung ist, sondern wie reflektiert man damit umgeht. Informieren können sich Jugendliche und Eltern zum Beispiel auf den Webportalen Internet ABC undKlicksafe.de oder auf den Seiten der Landesmedienanstalten (z.B. Landesmedienanstalt NRW).

Privatsphäre ist ein Freiheitsrecht.

Zum Schluss appelliert Zorn: „Druck machen auf die Politik“. Uns allen sollte bewusst sein, dass Privatsphäre ein Freiheitsrecht ist. Für dieses Recht müssten wir uns stark machen und es in der Gesellschaft und Politik einfordern.”

Über das Thema „Generation Head Down“ – Mein Leben in Whatsapp, Facebook & Co. diskutierten am 25.11.2014  Achtklässler der Junior Science Café-AG des Gutenberg-Gymnasiums in Bergheim. Die Café-Veranstaltung war die erste in der Reihe Junior Science Café – Vol.1: Denk digital! 

Weitere Impressionen aus der Café-Veranstaltung gibt’s im Fotoalbum.

Fotos: Deutsche Telekom Stiftung

Experte

Düsseldorf

Heinrich Heine Universität Düsseldorf, Institut für Informatik, Technik sozialer Netzwerke, Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Experte

Köln

Fachhochschule Köln, Institut für Medienforschung und Medienpädagogik, Institutsdirektorin

Betreuer

Ellen Meinecke

Gutenberg Gymnasium

AG

Junior Science Café-AG GuGy
Junior Science Café-AG GuGy

Schülerinnen und Schüler aus der 8. und 9. Klasse des Gutenberg-Gymnasiums in Bergheim unter der Leitung von Ellen Meinecke

Schule

Gutenberg-Gymnasium

Bergheim, Nordrhein-Westfalen