Fit und schön - ganz digital?

Fitnessbänder, Smartwatches, Gesundheits-Apps, die digitalen Fitnesstrainer am Handgelenk haben Einzug in unser Leben genommen. Der Trend boomt. Der Weg ins Fitnessstudio ist mit gewissem Aufwand verbunden. Aber kann das Armband ein Studio ersetzen? Kann der kleine digitale Helfer wirklich motivieren und unseren inneren Schweinhund besiegen? Oder werden wir zu „Sklaven“ des digitalen Trainers, der uns ständig antreibt. Nebenbei sammelt der digitale Coach unsere Daten: Herzfrequenz, Anzahl unserer Schritte, unser Essverhalten und wie wir schlafen. Aber wo werden diese Daten gespeichert und wer kann darauf zugreifen?

Außerdem verlassen sich einige Nutzer blind auf ihren „digitalen Arzt“ und geben die persönliche Verantwortung für ihre Gesundheit an das digitale Armband ab.

Wir wollen mit Herstellern, Nutzern, Medizinern und Vertreter von Krankenkassen über dieses aktuelle Thema diskutieren, um die vielen Aspekte der sogenannten „Wearables“ zu beleuchten.

Heinrich-Böll-Schule

63110 Rodgau, Wiesbadener Str. 63

23. Juni 2016, 19:00

Kategorien: Medizin     Technologie     Digitale Medien     Psychologie     Philosophie     Sicherheit

Thesen

1

Unser Körper ist selbst zum Statussymbol geworden

2

Wir duellieren uns mit unseren Körpern, um der aktuellen Norm zu entsprechen

3

Wir müssen lernen uns selbst so zu mögen wie wir sind und keinen Idealen nachzulaufen

4

Bei der Diskussion um Wearabels geht es immer auch um eine Diskussion um Werte und Normen

5

Der richtige Umgang mit Wearabels setzt eine gewisse Intelligenz und Kritikfähigkeit voraus. Besonders im Bezug auf die Sicherheit der erfassten Daten

Die Idee für dieses Café entstand schon auf der Heimfahrt vom Netzwerktreffen in Berlin. Unser Team (2 Schüler aus Jhg. 5, 1 Schülerin aus Jhg. 6 und 3 Schülerinnen aus Jhg. 7) arbeitete sich intensiv in das Thema „Gesundheitsarmbänder“ ein. Aber mit jeder neuen Information merkten wir, dass die Bänder eigentlich nur die Spitze eines Eisberges sind. Der Gesundheitswahn scheint zu boomen. Besonders betroffen waren wir nach dem Film „Die Selbstoptimierer“ mit Anke Engelke. Denn gesund und fit zu sein ist nur ein kleiner Teil des gesellschaftlichen Drangs nach Perfektion.  Besonders kritisch wird das „Problem“ für die Menschen, die nicht den aktuellen Normen entsprechen, also nicht mal ansatzweise „perfekt“ sind. Das geht sogar bis zum Wunsch nach dem perfekten Kind. (90% der Schwangerschaften mit Down-Syndrom werden nicht mehr ausgetragen!) Ein Holländer will sogar ein Punktesystem einführen, das „unseren Zustand“ anzeigt. Welch ein Datenparadies für Krankenkassen und Firmen. Für uns stellte sich daher die Frage, ob wir mit den Gästen nur über die Bänder reden wollten oder ob wir alle Aspekte ansprechen sollten.

Die eigentliche Organisation des Cafés lief quasi nebenbei. Wir hatten bereits beim ersten Café Checklisten und Ablaufpläne angelegt und waren daher sehr entspannt. Im Gegensatz zur Expertensuche. Die Anbieter von Wearabels antworteten nicht einmal auf unsere Mails. Interessanter Weise waren auch die Commerzbank und die Krankenkassen, die in dem Film von A. Engelke sehr für den Einsatz dieser Bänder warben, nicht zu einem Gespräch bereit. Am Ende hatten wir „nur“ zwei Experten, aber die waren richtig toll. Da sich Anna aus unserem Team mittlerweile selbst zu einem Experten entwickelt hatte, ernannten wir sie kurzerhand zur dritten Expertin.

Das Café fand wieder abends statt. Einige Gäste brachten auch Kinder mit. Es entwickelte sich sehr schnell eine lebhafte und kontroverse Diskussion zwischen allen Anwesenden. Auch unseren Gästen  ging das ganze Ausmaß der Informationen unter die Haut.  Leider mussten wir um 21.00 Uhr das Café beenden. Vermutlich hätten alle noch stundenlang weiter diskutiert.

Was für eine tolle Stimmung. Es stimmte einfach alles: Catering, Gäste, Experten, das JSC-Team. Wir werden auf jedem Fall nach den Sommerferien direkt das nächste Thema suchen.

Aber noch etwas zur Beruhigung für die Inhaber von Gesundheitsbändern. Wer sich selbst etwas Gutes tun möchte und die Unterstützung durch ein Wearabel braucht, kann es ruhig benutzen. Aber wie schon gesagt, mit Verstand. Ganz besonders im Zusammenhang mit den erfassten Daten.

News

Heinrich-Böll Schule Rodgau

15. Juni 2016, 16:48

Haben gerade unser letztes Vorbereitungstreffen für den 23. Juni gehabt. Leider sind es immer noch nur zwei richtige Experten.

Experte

Dr. Christoph Schröder
Dr. Christoph Schröder

Hausärztlich-Internistische Gemeinschaftspraxis in Heusenstamm

Dr. Schröder praktiziert in einer Hausärztlich-Internistischen Gemeinschaftspraxis in Heusenstamm. Er ist Facharzt für Innere Medizin. Außerdem ist er spezializiert auf Reisemedizin, Ernährungsmedizin, Sportmedizin und Notfallmedizin. Außerdem nutzt er zur Zeit selbst ein Gesundheitsband und hat daher auch bereits persönliche Erfahrungen damit gemacht.

Experte

Dr. phil. Stefanie Duttweiler

Goethe-Universität Frankfurt am Main

Dr. phil. Stefanie Duttweiler arbeitet an der Goethe-Uni Frankfurt am Main im Institut für Sportwissenschaften, Abteilung Sozialwissenschaften des Sport. .­Sie­ arbeitet­ zu­ aktuellen Selbst-­und ­Körpertechnologien ­Fitness, Wellness,­ Self-Tracking,­ Beratung und Lebenshilferatgeber. 2015 führte sie bereits am ihrem Sportinstitut eine Studie zu Self-Tracking-Gadgets und -Apps durch. Über den dazu veröffentlichten Artikel wurden wir auf sie aufmerksam. (http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/57255734/FoFra_2015_1_Vom_Umgang_mit_Zahlen_Ich_habe_das_gute_Gefuehl_etwas_Wichtiges_fuer_mich_und_meine_Zukunst_zu_tun.pdf)

Betreuer

Petra Carbon
Petra Carbon

Heinrich-Böll-Schule

AG

Junior Science Café-AG HBS
Junior Science Café-AG HBS

Die Ag besteht zur Zeit aus 9 Schülerinnen und Schülern aus der 5.,6. und 8. Klasse.

Schule

Heinrich-Böll-Schule

Rodgau, Hessen

Autoren

Junior Science Café Team

Unser Team besteht aus sechs Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 5 bis 7 und unserer Lehrerin Petra Carbon.