Spuren im Netz – der digitale Nachlass #SmarteWelt

In der Reihe „Schöne smarte Welt – Junior Science Café Vol. 3“ tauchen wir ein in eine intelligente Welt der Zukunft und erkunden, wie smart unsere Umgebung heute schon ist.

Foto: ENDE 63/366 von Dennis Skley, CC BY-ND 2.0. Bildausschnitt wurde verkleinert.

 

Es gibt inzwischen 2 Milliarden aktive Facebook-User, davon kommen 30 Millionen aus Deutschland. Auch Instagram hat weltweit 700 Millionen Nutzer. Eine sehr große Menge von Bildern, Posts und Likes werden jede Minute hochgeladen, geschrieben und gespeichert. Auch ich hinterlasse fast täglich Spuren im World Wide Web. Doch was passiert eigentlich mit all den Daten, wenn ich irgendwann nicht mehr da bin? Bereits über das materielle Erbe machen sich wenige Menschen Gedanken. Vermutlich nur etwa 30 Prozent aller Deutschen haben ein Testament hinterlegt. Noch weniger Menschen denken daran, dass sie auch ein, zum Teil recht umfangreiches, digitales Erbe hinterlassen. Laut einer Umfrage von Bitkom regeln 9 von 10 Internetnutzern ihren digitalen Nachlass nicht. Das kann die Erben bei einem Todesfall vor ungeahnte Schwierigkeiten stellen. Doch was genau gehört zu meinem sogenannten digitalen Nachlass? Wie ist die Gesetzeslage in Deutschland? Wie organisiere ich was nach meinem Tod damit passiert und wer darüber verfügen darf?

Was ist der digitale Nachlass?

Ich spreche mit Dennis Schmolk, der beruflich eigentlich aus dem Buchverlagsumfeld stammt und zusammen mit Sabine Landes seit einigen Jahren das Infoportal www.digital-danach.de betreibt. Er erklärt mir, dass der Begriff „digitaler Nachlass“ alles umfasst, was ein Mensch in digitalen Medien hinterlässt. Das sind E-Mails, Fotos und Dokumente auf Speichermedien, wie USB-Sticks oder Festplatten, aber auch Webseiten, Blogs, Social-Media-Präsenzen und Bitcoins. Auch Nutzerkonten bei Online-Warenhäusern sowie digital abgeschlossene Verträge gehören dazu. Eine detaillierte Auflistung der digitalen Erbmasse findet ihr hier.

Eine schwierige Aufgabe für die Hinterbliebenen

Wenn nicht jemand zu Lebzeiten bestimmt, was mit dem digitalen Nachlass passieren soll, stehen die Erben nach einem Todesfall oft vor einer großen Herausforderung. Neben den finanziellen Aspekten, wie online abgeschlossene Verträge und Abonnements, sind es vor allem auch die emotionalen Werte, die eine Aufarbeitung des Erbes nicht einfach machen, sagt Schmolk. Das digitale Erbe enthält unter Umständen sehr sensible oder private Daten und Informationen, die der oder die Verstorbene bewusst vor anderen Personen verheimlicht hat. Es findet also ein Eindringen in die Privatsphäre statt, was für die Erben unter Umständen belastend sein kann. Die Gesetzgebung zum digitalen Nachlass ist in Deutschland eigentlich eindeutig. Bei E-Mails beispielsweise ist die Rechtslage allerdings nicht ganz klar, weil es davon verschiedene Kategorien gibt. So könnten private Korrespondenzen von der Vererbbarkeit ausgeschlossen sein, weil es sich hierbei um den „höchstpersönlichen“ Schutzbereich der Verstorbenen bzw. des Verstorbenen handelt oder weil die Rechte der E-Mail-Gesprächspartner geschützt werden müssten.

Facebook-Konten werden nicht vererbt

Wie heikel, aber auch wie wichtig das Thema digitaler Nachlass ist, zeigt sich bei einem Streit zwischen einer Mutter und Facebook um das virtuelle Erbe ihrer Tochter. Der Fall löste weltweit eine sehr große Medienresonanz aus. Darin klagte eine Mutter gegen den US-Konzern, weil dieser ihr den Zugriff auf das Facebook-Konto ihrer verstorbenen minderjährigen Tochter verweigerte. Diese wurde 2012 an einem Berliner U-Bahnhof von einem einfahrenden Zug erfasst und tödlich verletzt. Daraufhin wurde der Facebook-Account des Mädchens nach einem Hinweis durch einen anderen Nutzer in den Gedenkzustand versetzt. Seitdem ist eine Anmeldung auf ihr Konto nicht mehr möglich, auch nicht für die Erben. Das Berliner Kammergericht entschied dieses Jahr nun, dass der Zugriff auf ein Facebook-Konto nicht vererbt wird. Dabei geht es um den Schutz von Dritten, um die Chatpartner, mit denen die Tochter kommuniziert hat. Das letzte Wort ist wahrscheinlich noch nicht gesprochen. Es bleibt abzuwarten ob die Eltern in Revision gehen oder sich außergerichtlich einigen. Deutlich wird, dass die Diskussion um den digitalen Nachlass untrennbar mit der Debatte um Datenschutz und Datensouveränität verbunden ist, hebt Schmolk hervor.

Was man zu Lebzeiten tun sollte

Was kann ich also tun um bereits jetzt meinen digitalen Nachlass zu regeln? Dennis Schmolk rät dazu, dass man sein digitales Leben gut dokumentieren sollte. Daneben sollte man sich überlegen, was mit den eigenen Daten passieren soll. Sollen sie beispielsweise gelöscht oder übertragen werden? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten und erscheint besonders jungen Menschen sehr abstrakt. Der Tod ist doch noch Jahrzehnte weit weg. Trotzdem fange ich an zu grübeln. Sollen auch meine Social-Media-Accounts in den Gedenkzustand versetzt und bis auf weiteres bewahrt werden? Auch wenn ich noch jung bin, beschließe ich jedenfalls erst einmal eine Liste über meinen digitalen Nachlass zu erstellen. In unserer digitalen Welt, in der ich bereits jetzt jede Menge Spuren hinterlassen habe, möchte ich - soweit es mir möglich ist - selbst bestimmen, was davon erhalten bleiben soll und was nicht.

 

Dennis Schmolk betreibt seit 2015 zusammen mit Sabine Landes das Infoportal digital-danach.de. Dort behandelt er Themen zu digitalem Nachlass, Vorsorge und digitaler Trauerkultur und ist auch als Referent tätig. Schmolk und Landes veranstalten die bisher einzige deutschsprachige, brachenübergreifende Konferenz: die www.digina.de. In seinem sonstigen Leben ist Schmolk für (Buch-)Verlage und Self-Publisher tätig und unterstützt diese beim digitalen Wandel.

 


25. August 2017, 16:06      Sunna Ellendt      Digitalisierung Digitaler Nachlass Erbe Daten

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