DIY-Junior Science Café: Die Giordano Bruno Gesamtschule legt los!

Los gehts! Hier bei den Junior Science Café-Projekttagen in Helmstedt. Foto: Jörg WeissFoto: Jörg Weiss, Die Schüler ergreifen die Initiative beim Junior Science Café, CC BY

„Sie sind doch gar kein Lehrer und  eigentlich auch gar nicht da, das mache ich!“ Adelina lehnt alle Verbesserungsvorschläge ihres Klassentutors Torben Waldau bestimmt ab. Sie besucht die 9. Klasse der Giordano Bruno Gesamtschule in Helmstedt und hat ihre Rolle beim Junior Science Café schon genau verstanden: Die Schüler treffen hier alle Entscheidungen, die Lehrer dürfen nur dann beraten, wenn sie gefragt werden. Also schnappt sie sich das iPad von Herrn Waldau und schreibt die Einladung an den Wissenschaftler selbst.

Im Projekt Junior Science Café organisieren Jugendliche Gesprächsrunden mit Experten an ihrer Schule, um sich mit ihnen in lockerer Atmosphäre über wissenschaftliche Fragestellungen auszutauschen.

Trainer Sandro Schott gibt ein paar Tipps. Foto: Jörg Weiss

 Die Organisation dieses Treffens kann in AGs oder im Rahmen von Projekttagen erfolgen, so wie in Helmstedt vom 16. bis 21. Oktober. Dort lernen rund 25 Jugendliche in drei Tagen Projektarbeit von der Pike auf.

Erst Teambuilding, dann Aufgaben sammeln, dann  Verantwortung übernehmen: Eigeninitiative und Eigenverantwortlichkeit der Schüler stehen bei der Organisation eines Junior Science Café an erster Stelle. Die Schüler ordnen sich anhand ihrer Interessen und Fähigkeiten verschiedenen Gruppen zu und erfinden mit großer Begeisterung kreative neue Namen für ihre Bereiche:  Da gibt es „Dagobert“ - den Finanzminister, zuständig für Kosten und Fundraising. Klar, der kann gut rechnen! Dann den „Thematisator“, der für das Thema des Cafés verantwortlich ist, den „Organisator“ und seine „Schreiberlinge“, die dafür sorgen, dass keine Information verloren geht und das Projekt insgesamt gut läuft. Sehr beliebt ist auch die „Dekotruppe“, die die Gestaltung des Cafés übernimmt.

 

Sich als stille Berater und freundliche Unterstützer im Hintergrund zu halten, fällt Torben Waldau und seinen Kollegen nicht leicht. Sie müssen sich bemühen, ihre Verbesserungsvorschläge für sich zu behalten und die Schüler in ihrer Arbeit nicht zu beeinflussen. Doch es besteht kein Grund zur Sorge: Organisator Benny, der die Projektleitung übernimmt, findet sich schnell in seiner Aufgabe zurecht. Wie schnell er und seine Mitschüler in ihre neuen Rollen hineinwachsen, erstaunt die Lehrer dann doch auch ein wenig. „Ich bin beeindruckt, wie konzentriert die Schüler hier ohne Anleitung arbeiten“, so Kirsten Schaube, von der didaktischen Leitung der Schule.

In Stuhlkreisdebatten und Kleingruppen diskutieren die Jugendlichen lautstark über den Rahmen, den Termin und das Thema des Cafés. Hier reichen die Vorschläge von Ebola über Meeresbiologie, Geld oder Körpersprache bis hin zu Computerspielen und welche Art von Albträumen Gamer haben.  Einigen können sie sich schließlich auf die Frage: „Können digitale Medien unsere Träume beeinflussen?“.

Das Thema steht fest. Foto: Jörg WeissFoto: Jörg Weiss, Die Themenfindung ist ein wichtiger Schritt in der AG., CC BY

Dass es bei der Planung eines Cafés viel zu bedenken gibt, merken die Schüler schnell und legen sofort los: Was gibt es zu essen? Wen laden wir ein? Wie stellen wir am besten die Stühle auf und wo? Welche Fragen stellen wir dem Wissenschaftler eigentlich? Um bei so vielen Aufgaben den Überblick zu behalten, nutzen die Schüler das digitale Tool „Trello“. Mit diesem Programm können ToDo-Listen angelegt und Verantwortungsbereiche zugewiesen werden - quasi ein kleines Projektmanagement-Programm.

Alle wichtigen Entscheidungen treffen die Schüler gemeinsam in der großen Gruppe. Das kann auch schon mal „ganz schön anstrengend“ sein, so die Jugendlichen. Entsprechend erschöpft wirken die Schüler kurz vor Ende des dritten Projekttags. Alle Entscheidungen sind gefallen, alle Aufgaben verteilt.

„Hier, da hat schon ein Wissenschaftler zurück geschrieben!“, ruft Adelina in die Feedbackrunde herein und hält ihr iPad in die Luft.  Obwohl es eine Absage war, freuen sich die Schüler riesig über die schnelle Rückmeldung.

                                         


12. November 2014, 17:18      Rebecca Rabe      Giordano-Bruno-Gesamtschule Junior Science Café Pilotschule

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