#caféthesen weiterdenken! Rente ist kein digitaler Feierabend.

Bild: pixabay, Oma, CC 0.

In der Reihe #caféthesen weiterdenken! greifen wir aus jedem Junior Science Café eine These auf und diskutieren sie im Netz. Denkt mit!

Die Junior Science Café-AG am Goethe-Gymnasium in Sebnitz diskutierte die Frage „Wie digital sind Senioren?“. Expertinnen aus Wissenschaft und Pflege standen den Schülern Rede und Antwort. Folgende These fand ich besonders interessant:

In den Medien sind meistens nur Kinder und Jugendliche im Umgang mit digitalen Tools präsent. Dies sei in der Medienpädagogik ganz ähnlich, sagt Daniel Diegmann von der Universität Leipzig. Der Sozialwissenschaftler berichtet, dass in der Forschung der Fokus bisher auf Kindern und Jugendlichen liege. Gerade zu Beginn der medienpädagogischen Forschung ging es darum, zu untersuchen, wie diese vor schlechten Einflüssen durch digitale Medien bewahrt werden können. Das hat sich erst im Laufe der Zeit verändert und erst in den letzten zehn Jahren beschäftige sich die Medienpädagogik in Deutschland zunehmend mit Senioren, so Diegmann.

Pionier beim Fernseher und jetzt beim Smartphone?

Doch was beeinflusst, ob Personen im Alter offen gegenüber neuen Medien sind? Diegmann nennt sozioökonomische Gründe, wie etwa Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht oder biographische Bezüge. Studien (Seite 97-113) zeigen, dass ältere Menschen, die einer höheren sozialen Schicht angehören, eher neue Medien nutzen. Ebenso beeinflusst der Habitus, also gelernte Verhaltensweisen und Einstellungen eines Menschen, den Umgang mit neuen Medien. Menschen, die offen gegenüber neuen Entwicklungen sind, verwenden häufiger neue Medien. Biographische Bezüge, wie beispielsweise der frühere Beruf haben ebenso Einfluss. Wer früher mit elektronischen Geräten arbeitete, nutzt auch nach dem Berufsleben eher digitale Tools.

Archivieren, chatten, Smart Home?

Das tun ältere Menschen vor allem um Erinnerungen zu archivieren, in Bildern oder Texten, oder um mit Freunden und Familie zu chatten und zu telefonieren, so der Sozialwissenschaftler.

Dies hinge auch mit neuen Familienkonstellationen zusammen, meint er. Viele Familien seien über die ganze Welt verstreut. Da nutzen auch Oma und Opa Internet oder Smartphone, um mit ihren Kindern und Enkeln in Kontakt zu bleiben. In diesem Punkt der Mediennutzung unterscheidet sich die Großelterngeneration gar nicht so sehr von der ihrer Enkel. Auch Jugendliche nutzen das Smartphone vor allem zur Kommunikation. Jedoch wird es von den Jugendlichen – anders als von den meisten Senioren - auch zur Unterhaltung und zum Spielen verwendet, so die JIM-Studie 2015. Die Digitalisierung erreicht zunehmend auch unsere Wohnungen. Doch dieser Trend wird von älteren Menschen noch nicht genutzt. Die Technik der Smart Homes sei zurzeit noch nicht so nutzerfreundlich, dass Ältere sie leicht verwenden können, erläuterte Informatiker Wolfgang Putz vom Fraunhofer-Institut in unserem #caféthesen weiterdenken!.

Alt sein heißt: kein Feierabend mehr!

Die zunehmende Digitalisierung unseres Alltags sieht Daniel Diegmann auch kritisch. „Früher konnten Senioren sich in der Rente erholen.“ Heute müssen sie die Entwicklungen in der digitalen Welt weiter verfolgen. „Sie müssen sich mit digitalen Medien auskennen, um nicht den Anschluss an soziale, kulturelle und politische Teilhabe zu verlieren“, so der Sozialwissenschaftler. „Denn Teilhabe verschiebt sich immer mehr in die Onlinewelt.“


19. Oktober 2016, 14:33      Florian Boegner      weiterdenken!

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