#caféthesen weiterdenken! Partizipation im Unterricht dank digitaler Medien

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In der Reihe #caféthesen weiterdenken! greifen wir aus jedem Junior Science Café eine These auf und diskutieren sie im Netz. Denkt mit!

Wie könnte eine „Digitale Schule“ aussehen? Darüber diskutierten die Schülerinne und Schüler der Junior Science Café-AG des Goethe-Gymnasiums in Sebnitz. Sie luden Pädagogen und Vertreter der Stadtverwaltung ein. Vor allem die nötigen Voraussetzungen für eine digitale Schule beschäftigten die Schüler. Eine These finde ich besonders interessant:

Die Digitalisierung in der Schule kann nur über einen langen Zeitraum erfolgen.

Kerstin Mayrberger ist Professorin für Mediendidaktik an der Universität in Hamburg. Sie stimmt der These der Schüler zu: „Es gibt einige Hürden, die die Digitalisierung in der Schule zu einem langwierigen Prozess machen.“ Die IT-Ausstattung bilde nur die Basis einer digitalen Schule. Genauso gehöre die Medienbildung dazu, also das Lernen mit und über Medien, und die Diskussion über die Digitalisierung in unserer Gesellschaft. „Auch das muss Teil des Schulalltags sein, wenn die Schule die Lebenswelt der Schüler widerspiegeln soll“, so Mayrberger.

Fehlende Akzeptanz bei Lehrenden

Auch der Länderindikator 2016 (PDF, 864 KB) zeigt, dass in vielen Bundesländern auf dem Weg zu einer digitalen Schulen noch viel zu tun ist. Die von der Deutsche Telekom Stiftung durchgeführte Studie befasst sich mit Informationen zur Nutzung digitaler Medien im Unterricht und basiert auf Befragungen von rund 1200 Lehrenden aus allen Bundesländern. Laut Länderindikator haben nur etwa ein Drittel der Schulen WLAN in den Klassenräumen. 
Das könnte sich allerdings durch den im Oktober verabschiedeten „DigitalPakt#D“ ändern: Fünf Milliarden Euro will der Bund für die IT-Ausstattung in Schulen bereitstellen. Für Mayrberger stellt die fehlende IT-Ausstattung jedoch nur ein geringes Problem dar. „Was nützt den Schülern das WLAN im Klassenzimmer oder das Smartboard, wenn ihre Lehrer es nicht sinnvoll oder gar nicht nutzen?“, kritisiert Mayrberger. Dazu fehle den Lehrenden die Ausbildung, aber auch die Akzeptanz neuer Medien: „Mit digitalen Medien im Unterricht zu arbeiten heißt auch immer Kontrolle abzugeben. Das fällt vielen schwer zu akzeptieren und damit umzugehen.“ Laut Länderindikator gibt es inzwischen immerhin in mehr als der Hälfte der Schulen ein Medienkonzept, an dem die Lehrenden sich orientieren können. „Das könnte zu einer größeren Akzeptanz führen“, hofft die Mediendidaktikerin.

Wenn die Schüler entscheiden

Sie ist der Meinung, dass sich der Unterricht für eine sinnvolle Integration digitaler Medien grundsätzlich ändern müsste. In einem Forschungsprojekt untersuchte sie bis 2011 die Gestaltung partizipativer Lernprozesse mit digitalen Medien. „Schüler konnten über sogenannte Social Software, wie Blogs oder Wikis, Themencluster selbst bearbeiten und so auch mitbestimmen, worauf die Lehrenden den Schwerpunkt im Unterricht legen“, erklärt Mayrberger. „So übernehmen die Schüler Verantwortung und werden motiviert. Auch die Lehre wird vielfältiger, etwa durch Projektarbeit.“ Um solche Modelle in den Regelunterricht zu integrieren, müsse allerdings schon vor dem Unterricht angesetzt werden: „Die Lehrerinnen und Lehrer sollten schon im Studium und Referendariat auf den Einsatz digitaler Medien im Unterricht vorbereitet werden und Erfahrungen sammeln dürfen“, so Mayrberger. Das erhöhe auch die Akzeptanz. Eine gute IT-Ausstattung, die Akzeptanz für das Lernen mit und über digitale Medien und eine dem angepasste Ausbildung der Lehrenden sind die Schritte, die hin zu einer digitalen Schule gemacht werden müssen.

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