#Caféthesen weiterdenken! Forschen mit Virtueller Realität

Foto: Babette Jochum (WiD), CC BY

In der Reihe #caféthesen weiterdenken! greifen wir aus jedem Junior Science Café eine These auf und diskutieren sie im Netz. Denkt mit!

„Virtuelle Realität – Chancen und Risiken” – über dieses Thema diskutierte der MINT-Kurs am Lessing Gymnasium in Berlin in seinem Junior Science Café. Thema der Diskussion war nicht nur die Technik selbst, sondern auch ihre Anwendung in verschiedenen Bereichen. Folgende These fand ich besonders interessant:

Was sind andere Anwendungen? Woran wird gerade geforscht?

Dazu habe ich den Informatiker Thies Pfeiffer befragt. Er forscht am Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie an der Universität Bielefeld. „Gaming gehört nicht zu den ursprünglichen Anwendungen von Virtueller Realität (VR). Das kam erst in den letzten Jahren dazu.  Zunächst entwickelte und nutzte nur das Militär VR – und das schon seit 1964. Damals kostete eine VR-Brille allerdings auch noch 10 000 Euro“, so Pfeiffer. Tatsächlich waren es aber Gaming-Anwendungen, die die Technologie bei der breiten Bevölkerung bekannt gemacht haben.

Der Virtuelle Trainer

Das Institut, in dem Pfeiffer arbeitet, nutzt VR in zwei Bereichen: Zum einen entwickeln Pfeiffer und seine Mitarbeiter neue Anwendungen. So arbeitet derzeit ein Team von Biologen, Medizinern, Sportwissenschaftlern und Informatikern an einem VR-unterstützten Trainingsprogramm für Sportler: „In Zukunft könnten in Fitness-Studios VR-Brillen liegen. Setzt man sie auf, macht bestimmte Übungen und schaut an sich herunter, sieht man durch die Brille, wenn man zum Beispiel ein Gelenk falsch belastet. Das würde dann rot eingefärbt.“ Die VR-Brille könnte also als virtueller Trainer Sportler unterstützen.

Die „What-if-Machine“

Auf der anderen Seite nutzen die Wissenschaftler selbst VR in ihrer Forschung. Pfeiffer: „Wir wenn  VR zum Beispiel in ‚What-if-Machines‘ an um zu testen, ‚Wie wäre die Welt, wenn…‘. Bevor zum Beispiel Roboter in Altenheimen eingesetzt werden, können wir durch eine Simulation untersuchen, wie Senioren damit umgehen und wie sie mit dem Roboter interagieren.“ In einem kleinen Rahmen lässt sich so mithilfe von VR testen, wie sich eine bestimmte Technologie auf den Menschen auswirkt.
In der Forschung werden also nicht nur neue Anwendungen der VR entwickelt. Auch die Forschung selbst ist ein Bereich in dem VR viele Möglichkeiten bietet.

VR beim Lehrertraining in München

Das haben wir auch bei unserem achten Lehrertraining am Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) der Bayrischen Akademie der Wissenschaften erlebt. Das LRZ stellt Rechenkapazität und Technologie für Wissenschaftler bereit, die VR für ihre Forschung nutzen wollen. Das können Archäologen sein, die eine ägyptische Grabkammer virtuell begehbar machen wollen, oder Geologen, die mit VR die thermischen Bewegungen im Erdkern untersuchen. Einige Anwendungen konnten wir selbst ausprobieren und erleben.

Ist euch Virtuelle Realität schon in eurem Alltag begegnet? Welche Anwendungen fallen euch ein?


28. Juli 2016, 10:54      Babette Jochum      weiterdenken!

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