#Caféthesen weiterdenken! Der soziale Gedanke beim Nachrichten Lesen

In der Reihe #caféthesen weiterdenken! greifen wir aus jedem Junior Science Café eine These auf und diskutieren sie im Netz. Denkt mit!

Über die Fragen „Wer bin ich? Wie fühle ich mich? Und wie stelle ich mich dar?“ diskutierte die Junior Science Café-AG im Gymnasium im Schloss aus Wolfenbüttel. Als Expertin war die Medienpsychologin Dr. Petra Sandhagen in der Schule zu Gast. Mit Schülern und Café-Besuchern diskutierte sie über die Selbstdarstellung in den Sozialen Medien und den Einfluss von Sozialen Medien auf das eigene Leben. Eine These der Schüler war für uns der Denkanstoß zu dem Gespräch mit dem Sozialpsychologen Dr. Stephan Winter:

Medien können einen Menschen verändern.

„Die Veränderung findet durch das Zusammenspiel von Mensch und Medium statt. Schließlich verändert ein Mensch durch seine Art der Nutzung auch das Medium“, bemerkt Winter zu der These. Die wechselseitige Veränderung gehe schon bei unserer Bewertung von Information los so Winter. Er weist darauf hin, dass die Bewertung einer Information davon abhängt, in welchem Medium, sie präsentiert wird. Dieses Phänomen untersucht Winter in seinem aktuellen Forschungsprojekt  „The social side of news“ an der Universität Duisburg-Essen.

„Was denken meine Freunde darüber?“

In der Studie lesen die Teilnehmenden Nachrichtenartikel zu politischen Themen. Eine Gruppe liest sie im sogenannten Web 1.0, also auf einer Nachrichten-Webseite. Die andere Gruppe liest die Artikel über ein Soziales Medium, zum Beispiel im News-Feed von Facebook. „So prüfen wir unsere Hypothese, dass bei einem Artikel bei Facebook, die sozialen Überlegungen die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Argumenten überschatten“, fasst der Sozialpsychologe zusammen. „Im Web 2.0 kommen zu der Frage: ‚Wie denke ich über dieses Thema?‘  gemeinschaftliche Gedanken hinzu, etwa: ‚Was denken meine Freunde darüber?‘ oder ‚Welche Meinung erwarten meine Freunde von mir?‘.“ Indem wir unsere Einstellung der unserer Freunde anpassten, würden Mitläufereffekte entstehen, so Winter. Und das gilt vor allem für junge Erwachsene: Laut einer Studie des amerikanischen Pew Research Center nutzen und vertrauen die in den USA Befragten zwischen 18 und 29 Jahren am häufigsten Facebook als Quelle für Informationen zur Politik.

Gemeinschaft in der „Echokammer“

Meinungsbildung über Facebook kann auch dazu führen, dass wir das Gefühl haben mit unserer Meinung zu einer Mehrheit zu gehören. Natürlicherweise lesen wir bei Facebook eher Artikel, die uns in unserer Meinung bestätigen oder uns Argumente dafür liefern – denn die werden uns eher angezeigt. Das steuern Algorithmen unter Berücksichtigung, was wir häufig lesen und natürlich was wir liken. Winter: „Es ist möglich, dass die Informationen, die wir dort erhalten, unseren Vorlieben angepasst sind. Dann sehen wir häufiger die Artikel von Medien, die zu unserer politische Orientierung passen“. So könne eine Art geschlossenes Netzwerk entstehen und uns den Eindruck vermitteln, dass unsere Meinung die vorherrschende Meinung sei. Wissenschaftler nennen dieses Phänomen den Echokammer-Effekt. Bisher wird der Echokammer-Effekt hauptsächlich in Zusammenhang mit Extremgruppen, wie der Pegida, diskutiert. Die tauschen sich in Sozialen Netzwerken insbesondere in Gruppen über ihre Meinung aus. Ob er auch für die breite Masse eine Rolle spiele, sei noch nicht ausreichend erforscht, meint Stephan Winter: „Bei durchschnittlichen Nutzern ist die politische Orientierung in der Freundesliste durchaus gemischt. Dadurch kommen wir auch mit Meinungen, die der eigenen widersprechen, in Berührung, wenn diese von Freunden geteilt werden. Trotzdem ist es wichtig, sich über diesen Effekt im Klaren zu sein und auch mal außerhalb von Sozialen Medien über politische Themen zu informieren.“


14. Dezember 2016, 08:54      Babette Jochum      Filterblase Social Media Universität Duisburg-Essen Echokammer      weiterdenken!

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