#caféthesen weiterdenken! Anonym surfen mit Tor?

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In der Reihe #caféthesen weiterdenken! greifen wir aus jedem Junior Science Café eine These auf und diskutieren sie im Netz. Denkt mit!

Whatsapp und co.: Ein Eintrittstor für Hacker? Diese Frage diskutierte die Junior Science Café-AG der Gustav-Heinemann-Schule in Rüsselsheim mit einem Informatiker. Folgende These fand ich besonders interessant:

Der Begriff Tor ist in den letzten Wochen immer wieder im Zusammenhang mit dem Darknet in den Medien aufgetaucht.

Anonym im Internet surfen?

„Tor ist ein Netzwerk, das erlaubt anonym im Internet und im Darknet zu surfen“, erklärt Praveen Manoharan, IT-Sicherheits-Experten am CISPA (Center for IT-Security, Privacy, Accountability) der Universität des Saarlandes. Tor nutzt dazu eine Technologie, die es erschweren soll, direkt zu verfolgen, welche IP-Adresse welche Seite aufruft. „Die Nutzer verbinden sich über drei hintereinander geschaltete Server mit der Webseite, die sie aufrufen wollen. Die einzelnen Server kennen jeweils nur den unmittelbar vorrangehenden und nachfolgenden Kommunikationspartner. Aber sie wissen nicht, woher die Anfrage ursprünglich kommt oder wo das Ziel ist“, erklärt der IT-Sicherheitsexperte.

Nicht sicher vor globalen Angreifern.

Allerdings seien der Anonymität Grenzen gesetzt, so Manoharan. Lokale Internetanbieter können die Aktivitäten des Tor-Browsers nicht verfolgen, da sie nur lokale Datenströme, etwa innerhalb Deutschlands, verfolgen können. Sie haben keinen Zugriff auf das gesamte Internet und somit auf alle von Tor genutzten Server. Anders sieht das bei globalen Akteuren aus. Die NSA beispielsweise, der größte Auslandsgeheimdienst der Vereinigten Staaten, kann auf Datenströme in der gesamten Welt zugreifen. Und so auch die Datenströme des Tor-Netzwerkes analysieren.

Darknet und Internetzensur.

Neben dem anonymen Surfen im Internet ermöglicht der Tor-Browser auch den Zugang zum Darknet, das mit herkömmlichen Browsern nicht zu erreichen ist. Es ist vor allem im Zusammenhang mit illegalen Aktivitäten, wie zum Beispiel dem Onlinehandel mit Drogen und Waffen bekannt geworden. Manoharan weist darauf hin, dass das genaue Ausmaß des Darknet nicht bekannt ist und das dieses Gegenstand aktiver Untersuchungen nationaler und internationaler Straverfolgungsbehörden ist.

Es gibt noch einen weiteren wichtigen Nutzen von Tor: Auf Landesebene kann mit dem Browser die Internetzensur umgangen werden. So sind im Iran beispielsweise Internetseiten wie Twitter und Facebook offiziell gesperrt - mit Tor jedoch erreichbar.

Tor für den Alltagsgebrauch nutzen?

Manoharan selbst nutzt den Tor-Browser privat nicht. „Das Netzwerk ist häufig überlastet und dann ist die Verbindung sehr langsam“, so der IT-Sicherheitsforscher. In seinem Institut entwickeln Forscher ein Plugin für den Tor-Browser. Das Plugin soll erfassen, wie anonym man gerade unterwegs ist. Denn das kann sich stündlich ändern und hängt unter anderem davon ab, welche Server der Browser aktuell nutzt.

Anonymität ist nicht nur beim Surfen im Internet ein Thema, sondern beispielsweise auch bei der Kommunikation mit Messenger Diensten. Was Tor für das Surfen im Internet ist, ist Signal für das Smartphone. Signal ist eine Messenger-App, die einem ermöglicht anonym zu schreiben. Signal haben wir in unserem Blog vorgestellt – den Messenger nutzt auch Edward Snowden für seine Kommunikation.


21. November 2016, 14:27      Florian Boegner      weiterdenken!

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